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DFB

Löw – das Ende einer Ära

Joachim Löw ist für die meisten deutschen Fußballfans ein rotes Tuch. Spätestens seit der missglückten WM 2018 forderten immer mehr Stimmen seinen Rücktritt. Entgegen seiner Kritiker blieb Löw jedoch im Amt und verkündete aber nun – fast drei Jahre später -, dass er nach der EM 2021 sein Amt niederlegen wird. Der amtierende Bundestrainer wird nach 15 Jahren einer der am längsten im Amt stehenden Trainer der DFB Geschichte sein. Allein Sepp Herberger, der 1954 überraschend die erste Weltmeisterschaft mit Deutschland gewann, hielt noch länger durch. 

Dieser historische Anlass gebührt einen kleinen Rückblick auf die Zeit mit Joachim Löw als Bundestrainer und soll auch zeigen, dass nicht alles so schlecht war, wie viele Fans derzeit glauben.

Quelle: Sportschau

„Endlich“, „Wurde auch Zeit“ oder „Richtige Entscheidung, jedoch viel zu spät“ sind nur einige der vielen Kommentare zu Löws Rücktritt. Und auch wenn der Bundestrainer in den letzten Jahren nicht mehr alles richtig gemacht hat, so muss man ihn doch auch loben: In seiner gesamten Karriere kam Löw (außer einer unrühmlichen Ausnahme) immer unter die letzten vier bei den großen Turnieren. Und nicht nur das. Er war Finalteilnehmer bei seiner ersten EM, siegte beim Confed Cup 2017 mit einer jungen und motivierten DFB-Elf und gewann natürlich die WM 2014. Alles Erfolge die nachweisen, dass der 61 jährige nicht alles falsch gemacht hat.

Klar, als Trainer ist er weder ein taktisches Genie wie Pep Guardiola noch hat Löw die Überzeugungskraft eines Jürgen Klopp, der seine Spieler immer auf das äußerste motiviert. Jedoch ist er schlau genug gewesen sich seine eigene Taktik zu „basteln“. So nahm er von 2010 bis 2014 beispielsweise viel von den aufstrebenden Spaniern, die damals das Maß aller Dinge waren. Hinzu kam eine starkes Pressing und Gegenpressing von Klopp oder Heynckes. Ab 2014 saß dann Pep Guardiola auf der bayrischen Trainerbank, weshalb der deutsche Spielstil (vielleicht auch wegen der hohen Anzahl an Bayern Spielern in der Nationalelf) dem des Rekordmeisters sehr ähnelte. Diese Zusammenfügung aus mehreren taktischen Grundideen und der funktionierenden, sowie perfekt eingespielten Bayern-Achse machten Deutschland zu einer hochqualitativen Mannschaft. Löw ließ so den modernsten Fußball spielen, den es derzeit gab und war mit Deutschland auch deshalb so schwer zu schlagen.

Eine weitere Meisterleistung von Löw war es, aus wenig Spielermaterial viel zu machen. So spielte Deutschland 2014 eigentlich ohne gelernten Flügelspieler mit Özil und Götze auf der offensiven Außenbahn und vier (!) Innenverteidigern in der Viererkette. Der einzige Außenspieler Lahm wurde auf die 6 gezogen, welches nach dem fast-Debakel gegen Algerien im Achtelfinale schnell wieder Rückgängig gemacht wurde. Jedoch war es schon bemerkenswert, dass Löw mit dem Spielermaterial, das er hatte immer das beste herausgeholt hat. 2008 ist dafür das beste Beispiel, als er mit einer jungen Mannschaft das Finale erreichte und damit völlig überperformte. Dass Deutschland dann das Finale sowie das Halbfinale der WM 2010) gegen ein übermächtiges Spanien verlor, war nur eine logische Folge. Die Spanier waren damals so viel besser und spielten auf einem ganz anderen Niveau. Die Aussage, dass Löw schon vor der WM 2014 einen Titel gewonnen haben müsste oder Deutschland nur „trotz“ und nicht wegen Löw Weltmeister wurde, ist deshalb totaler Quatsch. Den ersten Patzer der damals in fast allen Belangen überlegenen Spanier, von denen Löw auch große Teile der Taktik nachgeahmt hatte, wurde 2014 sofort ausgenutzt.

Eine weitere häufig genannte Aussage ist, dass Flick damals federführend für den Gewinn der WM 2014 war. Der DFB Co- und jetzige Bayern Trainer versteht seinen Job wirklich gut und hat sicher auch einen Anteil an diesem Titel. Jedoch ist es gewagt zu behaupten, dass es ALLEIN Flicks Verdienst war. Ein Trainerteam besteht immer aus mehreren Personen, die sich untereinander absprechen, sodass Flick mit seinem taktischen Verständnis und seiner einfühlenden Art sicher eine Hilfe war, jedoch entscheidet am Ende immer der Cheftrainer. Und dass Löw etwas stur ist und gerne seinen Willen durchsetzt, sollte mittlerweile jeder mitbekommen haben.

Doch wenn Löw so gut war, wieso scheiterte er dann 2018 an einer machbaren Gruppe schon in der Vorrunde? Das hatte mehrere Gründe. Schon 2016 merkte man, dass sich der langsame und kontrollierte Ballbesitzfußball langsam abnutzte. Bei der EM in Frankreich half die eigene individuelle Qualität noch bis ins Halbfinale zu kommen. Auch ein damals noch schwächeres Frankreich wäre ohne die beiden individuellen Fehler sicher schlagbar gewesen, jedoch war das schon der Anfang vom Ende. Der Fußball wurde weiterentwickelt und mittlerweile schneller und viel direkter gespielt. Vieles ging über Konter und die langen Ballbesitzphasen wussten die meisten Teams mittlerweile zu verteidigen. Das mussten mittlerweile auch die Erfinder dieser Spielweise bemerken: Spanien konnte seit 2012 keine nennenswerten Erfolge mehr bei den großen Turnieren verbuchen konnten. 

Joachim Löw jedoch erkannte das nicht und hielt stur an seiner altbewährten Taktik fest. Außerdem wirkten die Spieler unmotiviert und viele Unruhen im Vorfeld machten die Situation auch nicht besser. (Erdogan Skandal, Playstation Turniere vor wichtigen Spielen und Grüppchenbildung im Team) 

Viele Spieler wie Werner, Reus oder Gnabry passten nicht in das Spielsystem und wirkten deshalb etwas verloren. Auch das krampfhafte Festhalten an überalterten Spielern wurde Löw so zum Verhängnis. Eine Mischung aus alldem erklärt wieso die deutsche Mannschaft kläglich scheiterte – und Joachim Löw trägt zumindest einen Teil der Schuld.

Die Fähigkeit, die den Bundestrainer vorher so ausgemacht hatte, dass er das Beste aus dem Team herausholte und sie immer rechtzeitig fit bekam, traf 2018 nicht mehr zu. Und das, obwohl Löw nur ein Jahr vorher beim Confed Cup gezeigt hatte, dass er auch anders konnte. Die junge Mannschaft gewann ohne die alte Garde mit einem begeisterndem und modernen Konterfußball, der an manchen Stellen vielleicht noch etwas an Optimierung bedarf. Doch anstatt weiter an diesem Spielstil zu pfeilen und ihn auch in der A-Mannschaft zu implementieren, setzte Löw auf lieber auf Altbewährtes.

Ganz klar, spätestens hier (wenn nicht schon nach 2014 oder 2016) hätte der Bundestrainer einen Schlussstrich ziehen müssen. Doch er bleib und ging den dringend benötigten Umbruch auch an. Jedoch ließ erneut seine Sturheit, wie die Nichtnominierung von Müller und Hummels, das Projekt mehr oder weniger scheitern. Zu deutlich wurde es, dass es an sicheren und erfahrenen Spielern fehlte. Vor allem die Abwehr machte in den Länderspielen immer wieder einen wackligen Eindruck und endete in der 6:0 Pleite gegen Spanien. Zumindest daraus schien Löw gelernt zu haben und erwähnte nun, dass er sich vorstellen könnte, die beiden Ex-Nationalspieler wieder ins DFB-Team zurückzuholen. Ob das für die EM 2021 jedoch gegen eine wirklich starke Gruppe mit Frankreich und Portugal reicht, ist eine andere Sache.

Als Fazit möchte ich festhalten, dass Joachim Löw in den vergangen Jahren wirklich viel richtig gemacht hat und die meiste Kritik an ihm einfach nicht zutrifft. Dass es jedoch langsam Zeit für frischen Wind in der Nationalelf wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Mindestens genauso wichtig wie der Löw Rücktritt ist jedoch, dass Bierhof als nächstes seinen Hund nehmen muss. Der DFB-Funktionär wirkt ebenfalls nicht mehr fähig eine solche große Rolle auszufüllen. Allein mit Marketing Aktionen wie dem Hashtag „ZSMMN“ oder „Die Mannschaft“ hat er zur Genüge gezeigt, dass er inzwischen einfach nicht mehr tragbar ist. (Genug für einen eigenen Beitrag eigentlich) 

Ein neues Trainerteam direkt nach der WM 2018 wäre also im Nachhinein sicher das Beste gewesen, doch es ist meiner Meinung nach trotzdem unverschämt so gegen Löw zu wettern, wie es in den sozialen Medien derzeit der Fall ist. Egal was ein Mensch falsch gemacht hat: keiner hat so viel unsachliche Kritik und üble Beleidigungen verdient. Vor allem nicht Jogi Löw, der – wie man oben lesen konnte – auch viel für Deutschland geleistet hat. Genug, um sich auch mal zu bedanken, anstatt nur das Negative zu sehen. In diesem Sinne: Danke, Jogi!

Seid ihr anderer Meinung oder habt Ideen für weitere Themen? Dann lasst doch gerne einen Kommentar da!

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